THS beteiligt sich mit zwei Gelsenkirchener Objekten am Tag des offenen Denkmals

Immer öfter trifft man Alternativen zum rein musealen Erhalt bewahrenswerter Baukunst an – Die ehemalige Werkstatthalle auf Nordstern und das frühere Knappschaftskrankenhaus in Ückendorf sind gute Beispiele für intelligente Umnutzung.

Gelsenkirchen, 5. September 2007. Denkmale haben Konjunktur – das zeigt u. a. die jährlich wachsende Zahl der zu besichtigenden Bauten und teilnehmenden Besucher beim Tag des offenen Denkmals. Denkmale stellen aber auch erhebliche Herausforderungen für ihre Besitzer oder Betreiber dar. Ihr rein musealer Erhalt ist oft aus finanziellen Gründen nicht leistbar – und unter den Vorzeichen des Strukturwandels vielleicht auch gar nicht erstrebenswert. Bei den zahlreichen bewahrenswerten Bauten der Industriearchitektur im Revier ist intelligente Umnutzung seit Jahrzehnten – spätestens aber seit der IBA – ein wesentliches Thema. Denkmale sind identitätsstiftend Viele historische Gebäude stellen wichtige Orientierungs- und Identifikationspunkte für die Bewohner dar, indem sie von geschichtlichen oder sozialen Meilensteinen des jeweiligen Stadtteils zeugen. Eine Unterschutzstellung soll ihre authentische Bewahrung verbürgen, ist aber auch mit erheblichen Auflagen für die Restaurierung und künftige Nutzung verbunden. Für die Besitzer der jeweiligen Immobilie hingegen ist der Gebrauchswert des Denkmals wesentlich. Die Anforderungen von Denkmalsschutz und Nutzer vereinbaren zu können, erfordert architektonisches und ingenieurtechnisches Know-how sowie nicht selten Kooperationsbereitschaft und Kompromissfähigkeit. THS: 860 Denkmale im Bestand Die THS konnte das im Laufe ihrer über 85-jährigen Tätigkeit immer wieder praktizieren: Sie hat aktuell insgesamt 860 denkmalgeschützte Immobilien im Bestand. Die Gebäude, die die THS am 9. September in Gelsenkirchen für Besucher anlässlich des Tag des offenen Denkmals im Rahmen von Führungen zugänglich macht, erzählen beide eine Geschichte der Verwandlung. Vom Krankenhaus zum Wohnhaus Das ehemalige Knappschaftskrankenhaus in Gelsenkirchen-Ückendorf wurde 1905/06 im Stil der Weserrenaissance erbaut. Nach dem Auszug des Klinikbetriebes wurde es zunächst als Altenwohnheim genutzt. Die THS erwarb den Gebäudekomplex Anfang der 80er Jahre und renovierte ihn von 1983-1986. Dabei entstanden 68 Wohnungen aus den ehemaligen Kranken- und Untersuchungszimmern. Die Original-Gewölbegänge – heute charmant indirekt ausgeleuchtet – geben den Fluren eine einzigartige Note. Ein stilistisch an das ehemalige Krankenhaus angepasster Neubau von 48 Wohnungen an der Stelle des abgerissenen ehemaligen OP-Traktes ergänzt den Altbau mit dem großzügigen, angrenzenden Park. In dieser baulichen Aufbereitung wurde aus dem ehemaligen Krankenhaus heute ein beliebtes Wohnquartier das sich aus dem Umfeld des Stadtteils abhebt und damit weiterhin Signalwirkung hat. Arbeiten im Haus der Weltkulturerbearchitekten Ihre Namen sind im Ruhrgebiet und darüber hinaus bestens bekannt: Fritz Schupp und Martin Kremmer wirkten prägend insbesondere für die hiesige Bauhaus inspirierte Industriearchitektur. Bevor sie von 1928-32 das heutige Weltkulturerbe Zollverein schufen, waren sie auf der Gelsenkirchener Nachbarzeche, Nordstern, tätig. Ihre frühesten Gebäude im Rahmen der Anlage im Stadtteil Horst setzten sie 1926/27 mit der Schreinerei und dem Werkstattgebäude um. Beide stehen heute noch und erfreuen sich seit einem guten halben Jahr einer voll sanierten äußeren Gebäudehülle und einer neuen Nutzung im Inneren: Tochterunternehmen der Neueigentümerin THS, die auch den Umbau nach dem Haus-im-Haus-Prinzip bewerkstelligte, sind zur Konzernmutter in den Nordsternpark gezogen. Bewahrt das Gebäude nach außen beinahe komplett seinen ursprünglichen Charakter, hat sich innen viel getan: Eine umlaufende Zwischenetage schafft den erforderlichen Raum für Einzel- und Kombibüros, ein verglastes Dach macht aus der ehemals dunklen Halle zwei attraktive Atrien. Führungen am Tag des offenen Denkmals: Knappschaftskranken-haus, Knappschaftsstraße 3, 45886 Gelsenkirchen, 10 und 14 Uhr; Werkstattgebäude Nordstern, Fritz-Schupp-Straße, 45899 Gelsen-kirchen, 10 und 11:30 Uhr. Infokasten: Die Idee zum „Tag des offenen Denkmals“ stammt ursprünglich aus Frankreich. Sie wurde vom Europarat aufgegriffen, der 1991 offiziell die European Heritage Days ausrief. Seit 1993 öffnen auch in Deutschland an jedem zweiten Sonntag im September immer mehr Denkmäler für eine stetig wachsende Besucherschar die Pforten. Waren es 1993 noch 3.500 Gebäude und 2 Mio. Gäste, so hatte sich bis 2006 die Zahl der teilnehmenden Bauten bereits verdoppelt und man konnte 4,5 Mio. Besucher zählen. Vollständiges Programm unter www.tag-des-offenen-Denkmals.de

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